Serie: 100 Jahre Langbeinmuseum

Der Schatz im Koffer


Als der Freundeskreis am Anfang seines Wirkens eine Bestandsaufnahme der Langbeinsammlung machte, musste der Sammlungsteil, der religiöse Kunst beinhaltete als verloren schmerzlich abgeschrieben werden. Das Langbeinmuseum war längst 1985 wieder eröffnet, als es einige Jahre später eine freudige Überraschung gab. Johanna Heiß ,die als Förstersfrau noch auf dem Schloß gewohnt hatte, als letzte Führerin die Sammlung betreut hatte und als Vereinsmitglied der ersten Stunde gerade in der Anfangszeit des Vereins immer zur Stelle war, wenn sie benötigt wurde, machte auf ihrem Speicher 1990 beim Aufräumen einen Fund ,den sie längst vergessen hatte.

Als damals das Museumszimmer im Schloß aufgelöst und die Sammlung neu verteilt wurde - ein Teil diente fortan zur Dekoration des Schlosshotels , ein anderer wurde zunächst im Torwärterhäuschen als "Museum" noch eine Weile gezeigt - hatte sie beim Ausräumen des Raumes auf ihr Bitten und ihren Hinweis die Erlaubnis erhalten, eine Reihe "Kleinteile" zu verpacken und zu verwahren, um sie vor Beschädigung und einem möglichen Verlust für die Sammlung zu verwahren. Sie wurden in einem alten Koffer verpackt und darin sorgsam von Frau Heiß behütet. Offizieller Seite war dieser Vorgang, der weder dokumentiert und wohl auch nicht wirklich wahrgenommen worden ist , rasch vergessen und auch die "Hüterin des Koffers", der zuletzt auch den Umzug in das Igelsbacher Heiß'sche Haus mitgemacht hatte, hatte dessen Inhalt in den folgenden Jahrzehnten vergessen, bis ihr der alte Koffer beim Speicheraufräumen in die Quere kam.

Der Inhalt brachte ein freudiges Wiedersehen: kleine bemalte Tonfiguren, mittelalterliche Wallfahrtsandenken aus Ton, Rosenkränze, Kreuze, ein altes Siegel, Puppenspielzeug aus dem 19. Jahrhundert , fein gearbeitet Nähutensilien aus Elfenbein , Kleinkunstgegenstände und Schmuckstücke des 19.Jh. und anderes mehr .Wenn man das Schicksal manch anderen Sammlungstückes betrachtet, das leider nicht damals in den Koffer gepackt wurde, das wenigste wäre ohne diese unbeabsichtigte Rettungsaktion über Jahrzehnte wohl heute noch erhalten geblieben. Die Abbildungen zeigen die kleinen bemalten Tonstatuen einer Pieta und des hl. Antonius sowie Tonfiguren (16.Jh.) als Wallfahrtsandenken, Rosenkränze und Kruzifixe aus dem 18. und 19. Jh. Das Kruzifix mit Metallkorpus und schönen Metalleinlegearbeiten stammt wahrscheinlich aus dem Hirschhorner Karmeliterkloster , das andere Kruzifix mit Perlmutteinlagen wurde A.19.Jh. in Bethlehem oder Jerusalem hergestellt.



klosterkreuz

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