Serie: 100 Jahre Langbeinmuseum

Die Tafel der Mönche



klostertisch


Ein Blickfang im Museum ist ein langer Eichentisch mit zwei Eichenplatten die auf auf einen zusammensteckbaren Unterbau gelegt werden. Er stand einst im Refektorium des Karmeliter-klosters Hirschhorn und ist auf das Jahr 1724 datiert. Gefertigt wurde er wie die dazu erhaltenen 12 Stühle wahrscheinlich von einem Laienbruder, der Schreiner war, bevor er dem Karmeliterorden beitrat. Die Laienbrüder, die im Kloster oft eine handwerkliche Rolle mit übernahmen, die ihren Fähigkeiten und ihrer Berufsausbildung entsprach, waren so für den Orden recht nützlich und wurden zwischen de Klöstern im Bedarfsfall auch einmal ausgewechselt. So z. B. der Laienbruder Sigfried (Sigefridus a St. Mathia), der vom Kloster Speyer nach Hirschhorn kam und 1778 das noch erhaltene Chorgestühl in der Klosterkirche anfertigte. Die erhaltenen Klosterstühle im Museum weisen eine kunstvoll angefertigte Lehne auf. An der Seite umgibt Rankenwerk das unter einer Krone abgebildete Karmeliterwappen (3 Sterne). Die Stühle sind mit 1724 und 1747 datiert. Stilistisch lässt sich dies auch am Rankenwerk erkennen, das von einer strengeren Form in eine verspieltere überwechselt. Die Versteigerungsprotokolle von 1803 nach Auflösung des Karmeliterklosters enthalten den genannten Tisch und die Stühle nicht. Wahrscheinlich verblieben die Möbelstücke noch im Kloster, das den Karmelitermönchen als herrschaftlichen Pensionisten bis zu ihrem Tod Wohnmöglichkeit bot und wurde dort noch benutzt.

Später gelangten dann Tisch und Stühle in Privatbesitz. Carl Langbein hat auf den Sitzrückseiten der Stühle das Datum seines Erwerbs und seiner Restauration sowie den Vorbesitzer vermerkt. Er konnte sie den erhaltenen Zetteln nach 1852-54 kaufen, Vorbesitzer waren der Schwanenwirt Georg Lang, Margarethe Buller und Peter Karl Henk aus Hirschhorn, die Hirschhorner Juden Hirsch und Jekuf Libermann sowie Franz Karl Elzer. Die meisten Stühle weisen noch eine alte Nummerierung auf, der zu Folge es mindestens einmal 18 Stühle waren. An dieser erwürdigen Tafel der Karmelitermönche finden heute die Vorstandssitzungen des Museumsvereins statt und an der Weihnachtsausstellung am 1. Adventssonntag können hier die Museumsbesucher bei Kaffee, Plätzchen und Kuchen verweilen und so das einmalige Ambiente dieses Adventskaffees genießen.


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